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Bhand Jammee-ai: Ein Mantra für die Weiblichkeit und für Mutter Erde.

Bhand Jammee-ai (ausgesprochen: Bhand Dschahmi-ä) wird meist mit dem prägnanten Untertitel Honoring the divine feminine“ genannt. Und genau darum geht es. Es ist ein Mantra, das die Weiblichkeit würdigt und ehrt, das Göttlich-Weibliche, das jeder Frau innewohnt. Guru Nanak, der erste Guru der Sikh (1469-1539), hat diesen Text verfasst, um Heilung zu bringen für alle erlittenen Demütigungen, durch die die Anmut und das Selbstbewusstsein der Frau unterdrückt werden. Demütigungen, die oft schon als Kindheitstrauma angelegt wurden und sich im Laufe des Lebens stetig wiederholen. Auch wenn die Übersetzung dieses heiligen Textes mit heutigen Ohren etwas altbacken klingen mag, möge man die Zeit, aus der es stammt berücksichtigen und das damals herrschende Gesellschaftssystem. Für das 15. Jahrhundert ist dieser Text revolutionär!

 

Die Wirkung von Bhand jamee-ai geht weit über das Textverständnis und den Intellekt hinaus. Wer das Mantra in der Originalsprache Gurmukhi (ein Dialekt des indischen Sanskrit) rezitiert oder singt, spürt den sogenannten Naad. Die Kraft eines heiligen Klangmusters, energetisch und spirituell aufgeladen durch Worte einer heilsamen Sprache und durch die Verbindung mit einer Jahrhunderte alten Intention, mit der Bhand Jamee-ai rezitiert wurde und wird: die Erhebung der Weiblichkeit.

 

Bhand Jammee-ai erklingt täglich in den heiligen Stätten der Sikh und ist genau genommen kein Mantra, sondern ein Shabad. Shabads sind heilige poetische Texte oder Verse, die genau wie Mantren, wiederholt rezitiert oder gesungen werden.

 

 

MANTRA DER HEILUNG VON BEZIEHUNGEN

Bhand Jammee-ai kann von Männern für Frauen gesungen werden wie auch von Frauen für die Anbindung an ihre eigene ursprüngliche Weiblichkeit.

In diesen ‚Anwendungsbereichen‘ zeigt sich das Thema der Heilung von Beziehungen. Einerseits können Männer Schwierigkeiten mit den Frauen in ihrem Leben überwinden. Sei es die Mutter, die Tochter, die Schwester, Großmutter, Tante, Freundin, Lebenspartnerin oder Chefin. Traumatische Erlebnisse, wiederholte Ablehnung durch Frauen oder einfach ein Gefühl von Unverständnis und Fremdheit zwischen den Geschlechtern können Abneigung, Hass, Frauenfeindlichkeit und Ängste gegenüber dem weiblichen Geschlecht aufbauen. Wenn Mann diese Themen bei sich feststellt und sie für sich auflösen möchte, hilft ihm hierbei die Rezitation von Bhand Jamee-ai. Es soll darüber hinaus die Kommunikation zwischen Mann und Frau verbessern.

 

Der heilende Effekt entsteht durch das Heraustreten aus der eigenen ‚Story‘, die Wahrnehmungsfilter angelegt hat und die zu Vorurteilen und Verallgemeinerungen führen: „Alle Frauen sind soundso…“. Hängt man in diesen Stories fest, in den vergangenen Erlebnissen – frühere Inkarnationen und die Themen der Ahnenlinie miteinbezogen – führt dies unumgänglich zu einem Gefühl des Getrenntseins und zum Rückzug des Herzens. Liebe, das einzig wahre zwischenmenschliche Band, fehlt. Bhand Jamee-ai lenkt die Sicht von diesen Wahrnehmungsfiltern weg und hin auf die ursprüngliche Weiblichkeit, auf das universelle Prinzip aller weiblichen Aspekte des Lebens (auch: ‚das Göttliche‘ genannt). Wer sich die Verehrungsriten und Skulpturen von Naturvölkern ansieht, versteht unmittelbar, was ich meine. Hier wird das Weibliche als unentbehrlicher Teil des Lebens verehrt: als Schöpferin, Lebensgeberin, Heilerin, als Fruchtbarkeit in Bezug auf Mensch und Natur, als Frühling, als Erde, als Naturgewalten und Elemente, als Heilkraft und Medialität, durch die der Zugang zu Gott oder in die Anderswelt möglich ist.

 

Durch dieses besondere Mantra können wir die große und herrliche Ursprungskraft in allen Frauen (wieder)erkennen. Wer diesen abstrahierenden Schritt schafft, kann Abneigungen, Verletzungen, Groll, Angst und Wut in Dankbarkeit und Ehrerbietung verwandeln. Und so können Beziehungen heilen – indem wir der Frau, der Freundin die uns verletzt hat, der Mutter, Großmutter, Tante, Schwester, die uns nicht so geliebt hat, wie wir uns das gewünscht hätten, der Chefin, die uns unterdrückt, vergeben und dadurch alte Themen loslassen, die uns andernfalls bis zu unserem Totenbett und darüber hinaus begleiten würden.

 

Selbst wer keine dieser Themen bei sich findet, Bhand jamee-ai können Männer für die Frauen in ihrem Leben chanten, um ihnen Gutes zu tun, um ihnen auf ihrem Weg der Freiheit und Heilung Kraft zu geben oder auch wenn Frauen sich in Kämpfen mit sich und der Umwelt verstrickt haben. Wenn ein Mädchen geboren wird, ist es ein wunderschönes Geschenk, Bhand jamee-ai für dieses Kind zu chanten.

 

Andererseits können Frauen ihre eigenen Themen der Weiblichkeit angehen und (Selbst-)Ablehnung, Glaubenssätze und Bewertungen, die sie dem eigenen Geschlecht gegenüber haben heilen. Wichtig dabei ist das Verständnis des Interseins, oder des ‚interbeing‘, wie Zen-Meister Thich Nhat Hanh es nennt. Damit meint er, dass wir mit allem, was ist, verbunden sind. Alles, was wir im Außen ablehnen, wendet sich gegen uns selbst, weil wir es damit auch in uns selbst ablehnen. Die Auswirkung ist gewissermaßen eine energetische Autoimmunkrankheit. Wer Anteile des eigenen Geschlechtes ablehnt, wird diese Verbindung, das Intersein, um so mehr spüren.

 

Ich hatte selbst lange solche ablehnenden Gedanken, ohne mir darüber im Klaren zu sein. Leopardenblüschen, herausschauender pinker Stringtanga und Spitzen-BH, weißlackierte überkniehohe Stiefel. Ich belächelte solche Frauen uns stempelte sie als ‚Weibchen‘ ab, sah sie als schwach an. Bis ich merkte, wie sehr mir diese Verurteilungen schadeten. Auf der Straße lief ich an oben beschriebener Frau vorbei, merkte, wie all diese Gedanken und Gefühle gegen sie in mir aufstiegen und dass ich mit Arroganz auf sie herabblickte. Und ich merkte in diesem glücklicherweise wachen Moment, wie sich diese Negativität regelrecht körperlich gegen mich selbst richtete. Diese Sekundenbegegnung hat mich wachgerüttelt. Ich nahm eine neue Perspektive ein und dachte um: „So mutig wie sie wäre ich nicht.“

 

Es ist heilsam, sich selbst, Gedanken und Gefühle, im Hinblick auf das gleiche Geschlecht zu beobachten. Alles, was an Negativität aus uns herausfließt, kommt mindestens mit derselben Wucht wieder zurück. Unzufriedenheiten mit der eigenen Figur, dem Aussehen, den Beziehungen, den Rollen im eigenen Leben, Störungen und Krankheiten der weiblichen Organe sind dann kein Wunder mehr.

 

Der Naad von Bhand jamiee-ai schärft unser Bewusstsein des Interseins und lässt uns achtsamer im Umgang mit anderen Frauen und der eigenen Weiblichkeit werden. Es heilt die Wunden, die Frauen durch Demütigung und Herabsetzung zugefügt wurden (auch durch andere Frauen), legt sich wie ein Schutzschild um das eigene Energiefeld und erhöht die Strahlkraft, die wir als Ausstrahlung wahrnehmen.

 

 

 

EIN MANTRA FÜR DIE ANERKENNUNG UND ENTFALTUNG DER EIGENEN WEIBLICHKEIT.

Unsere Zeit ist „divers“, der Geschlechterdiskurs öffnet sich immer mehr. Wie auch immer man das empfinden mag, eine Sache steckt dahinter, die wir uns alle ansehen sollten: Es geht um die Bestärkung von Identität, um das klare und öffentliche Sichzeigen und Positionieren.

 

Die Emanzipation ab den 60er Jahren war ein wichtiger Befreiungsschlag und eine Wende für die Frau. Rechte und Pflichten der Geschlechter waren so sehr im Ungleichgewicht, dass eine extreme Bewegung nötig war, um überhaupt eine Veränderung bewirken zu können. Wie unsere Gesellschaft heute ohne diese Bewegung aussehen würde, ist kein Gedankenexperiment, das ich wagen möchte. Immer noch den Ehemann um eine Unterschrift und um seine Zustimmung bitten müssen, damit man diese Arbeitsstelle bei jenem Arbeitgeber anfangen darf?! ...

Während dieser revolutionären Bewegung ging jedoch auch vieles verloren, etwas, das ich als „Anbindung an die ursprüngliche Weiblichkeit“ bezeichne. Frauen haben oft versucht, versuchen es noch, wie Männer zu sein und deren Energie und Art nachzubilden. Doch Frauen sind anders (und Männer auch). Das ist naturgegeben so, unsere Körper und Körperchemie und die damit zusammenhängenden unterschiedlichen Rhythmen und Bedürfnisse zeigen das. Und es schadet beiden (oder allen) Geschlechtern, das zu leugnen. Denn wenn uns unsere ursprüngliche Energie verloren geht, weil wir Anteile von uns selbst leugnen oder ignorieren, fehlt uns ein gewisses Potential, eine Anbindung, ein Annehmen unserer Identität, sodass sich ein Gefühl des Mangels, des Fehlerhaftseins, des Nichtgenügens einschleicht.

 

Emanzipation bedeutet vom Wortstamm her „Freilassung eines Sklaven“. Soweit so gut, wenn sich das auf die Dominanz des Patriarchats bezieht. Zu einem großen Teil wurde die Emanzipation aber auch der Wunsch, sich von allem Weiblichen zu befreien. Das ist zunächst verständlich, zumal es über Jahrhunderte falsch interpretiert oder stigmatisiert wurde: Frau = schwach, unmündig und hysterisch. Vergessen wurde dabei aber etwas viel Älteres: die ewige und ursprüngliche Energie und Kraft der Weiblichkeit – das, was Archetypen repräsentieren und die so gar nicht mehr in unser zeitgenössisches Weltbild zu passen scheinen. Solche Archetypen gibt es massenhaft, wir müssen nur die Augen aufmachen und uns von ihrer Wahrheit und Weisheit inspirieren lassen:

 

Von der Schönheit und Reinheit der Venus. Von der Verruchtheit und Unabhängigkeit der ersten Frau Adams: Lilith. Von der Güte und der Kraft, alles Leid der Welt tragen zu können, wie die heilige Maria. Von der nährenden Mütterlichkeit und kreativen Schöpferkraft Gaias. Von der Heilkraft und der Weisheit der Hexe Hekate. Von der Macht der Amazonenköniginnen. Von den Verführungskünsten der Sirenen. Von der Wildheit und Kompromisslosigkeit der kriegerischen Kali. Von der unendlichen Güte und Liebe, die die tibetischen Taras symbolisieren.

 

„Die Frau ist der Kern des Universums,

doch sie ist sich der Macht ihrer Integrität und Anmut

nicht bewusst.“

~ Satkirin Kaur Khalsa

 

Von all diesen wundervollen und wundersamen Archetypen wohnt etwas in uns irdischen Frauen. Wir müssen es uns nicht aneignen oder lernen, weil es uns nicht fehlt. Mit dem Sein als Frau ist es inhärent, ein Geschenk, das wir nur annehmen müssen.

 

Bhand jamee-ai ruft in Frauen diese archetypische und vielfältige Energie des Weiblichen wach. Frauen binden sich durch dieses Shabad an eine höhere Kraft an, die sie über ihr kleines Selbst, über ihr Ego und all ihr scheinbares Nichtgenügen hinauswachsen lässt. Angebunden an eine solche Kraft wird das Leben, selbst der anstrengende Alltag, leichter, denn je mehr sie es zulässt, kann Frau zur Verkörperung von Anmut, Würde, Heilkraft und Güte werden.

 

 

 

EIN MANTRA FÜR MUTTER ERDE.

Der uns sicherlich allen zugänglichste Archetyp des Göttlich-Weiblichen ist Mutter Erde, auch Gaia genannt. Sie verkörpert die uralte und große Mutter allen Seins.

 

Vor kurzem habe ich die wundervoll bewegende Dokumentation „The Wisdom of Trauma“ gesehen. Darin geht es um die Arbeit von Dr. Gabor Maté, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, das Trauma von Menschen zu heilen, insbesondere derer, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind: Obdachlose, Junkies, Straftäter und Opfer. Mit dem Ziel, dass diese Menschen sich wieder selbst lieben können, ein Gefühl für die Liebe zurückbekommen und Vertrauen ins Leben und in ihre Mitmenschen aufbauen können. In diesem Film sagt Dr. Maté Folgendes: Jeder Mensch ist traumatisiert. Damit dies geschieht, braucht es keine großen Ereignisse. Trauma kann auch in den kleinen Wiederholungen schädlicher Ereignisse stattfinden. Trauma führt zu einer Abspaltung von der Liebe und vom Vertrauen ins Leben und in die Mitmenschen und infolgedessen zu Isolation.

Dann sind wir nicht mehr wirklich angebunden an Familie und Ahnen, an die Gesellschaft, an die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten und Bedürfnisse. Wir sind getrennt von dem, was uns emotional, mental, physisch und energetisch nährt und heilen könnte. So bleiben unsere Traumata ungeheilt und wir gehen mit einem Gefühl von Leere, Fehlen, Mangel durch das Leben. Durch maßlosen Konsum versuchen wir diesen Mangel zu überdecken: "Ich brauch noch diese eine Sache, dann bin ich glücklich!"... Wir wollen haben, haben, haben und dieses Habenwollen schadet der Erde, bringt sie ins Ungleichgewicht und macht sie krank. Wir wenden uns mit diesem Handeln in vollem Bewusstsein gegen unsere große Mutter. Maté bezeichnet unser Konsumverhalten nicht nur als rücksichts- und respektlos gegenüber der Erde, sondern als überdimensionalen Mutterhass.

 

Auch Thich Nhat Hanh schreibt über die versteckte Wut gegenüber der Erde:

 

„Einige von uns nehmen dir [Mutter Erde] übel,

dass du sie geboren hast und ihnen Leid zufügst,

denn sie sind noch nicht in der Lage,

dich zu verstehen und zu schätzen.“

 

Wenn wir diesen Prozess, der nicht nur die Erde, sondern damit auch unseren Lebensraum zerstört, umkehren wollen, müssen wir ran an unsere persönlichen Traumata, sie heilen, uns heilen und Liebe und Demut vor dem Leben allem anderen voranstellen. Nicht uns, unser Wollen und unser Ego.

 

Bhand jamee-ai löst Trauma in Zusammenhang mit der Weiblichkeit auf und wirkt so auch auf einer höheren Ebene. Dieses heilige Shabad ist daher also auch ein Mantra für die Erde, für die große Mutter. Sie ist das Göttlich-Weibliche, das wir ehren und achten können, dem wir respektvoll und in Demut begegnen können. Einfach, indem wir Bahnd jamee-ai für unser eigenes Weiblichkeits-Trauma chanten, für die Anbindung an die eigene Weiblichkeit und für Dankbarkeit und Demut gegenüber den weiblichen Aspekte des Lebens.

 

Jedes gelöste Trauma öffnet die Herzenstür ein Stückchen weiter und macht Platz für die Liebe.

 

 

 

MANTRA, MUDRA & MEDITATION.

Bhand jamee-ai ehrt die gottähnliche Schöpferkraft der Frau. Dabei ist es nicht wichtig, ob eine Frau eigene Kinder in die Welt setzt bzw. setzen kann oder nicht. Es geht alleine um dieses der Frau eigene Potential und der damit zusammenhängenden Energie des Schöpfens, Nährens und Gebens, das auf ganz vielen unterschiedlichen Wegen gelebt werden kann.

 

An diese Art der Energie kann sich jede und jeder anbinden. Wer diese Kraft spürt, kann nicht anders, als Demut und Achtung im Angesicht dieser universellen Qualitäten zu empfinden und damit schwinden Abneigung, Ablehnung, Hass und Angst gegenüber weiblichen Energien wie von selbst, denn Das ‚divine feminine‘ ist größer als jeder Hass, die ursprüngliche Weiblichkeit nimmt jeder Verletzung den Schmerz. Egal ob Mann, Frau oder Divers, alle können Heilung in diesem Shabad finden. Ob es da um ein Gefühl der Schwäche gegenüber Frauen geht oder um traumatische Erlebnisse mit Frauen/Müttern/Mutterfiguren. Ob es um Identität geht, um Ablehnung des eigenen Geschlechts, um die Fähigkeit, Weiblichkeit anders auszuleben, als man es vorgelebt bekommen hat oder wie es vom Außen erwartet wird.

 

 

Das Mantra und die Mudra.

Nimm eine bequeme und aufrechte Sitzposition ein.

Verschränke deine Finger mit Ausnahme der Daumen. Diese liegen parallel zueinander auf dem obersten Zeigefinger, die Handballen berühren sich. Diese Mudra ziehst du eng an den Körper heran und drückst sie sanft in Richtung Rippenbogen und Zwerchfell. Ein angenehmes (kein anstrengendes) Gefühl von Halt und Geborgenheit sollten entstehen.

 

Und nun chante elf Wiederholungen von

 

Bhand jammee-ai bhand nimmee-ai bhand mangan veeaa-hu
Bhandahu hovai dostee bhandahu chalai raahu
Bhand moo-aa bhand bhali-ai bhand hovai bandhan
So kio mandaa aakhi-ai jit jameh raajaan
Bhandahu hi bhand oopjai bhandai baajh na ko-ay
Naanak bhandai baahraa ayko sachaa so-ay
Jit mukh sadaa salaahee-ai bhaagaa ratee chaar
Naanak tay mukh oojalay tit sachai darbaar

 

Das ist die englische Transkription.

 

Du kannst in diesem Video die richtige Aussprache hören:

 

Übersetzung:

Von der Frau wird der Mann geboren; in der Frau wird der Mann gezeugt; mit der Frau wird er verlobt und verheiratet.

Die Frau wird seine Freundin; durch die Frau kommen zukünftigen Generationen.

Wenn seine Frau stirbt, sucht er sich eine andere Frau; an die Frau ist er gebunden.

Warum also soll sie schlecht sein? Von ihr werden Könige geboren.

Von der Frau wird die Frau geboren; ohne die Frau gäbe es überhaupt niemanden.

O Nanak, nur der Schöpfer ist ohne eine Frau.

Jener Mund, der das Göttliche ständig preist, ist gesegnet und schön.

O Nanak, diese Gesichter werden im Haus des Schöpfers strahlend sein.

 

 

Die Version von Gurunam Singh ist mir die liebste, sie hat eine schöne treibende Kraft. Wer Abwechslung mag, hier sind zwei verschieden Versionen von Benjahmin, einmal im Relaxed-Modus – auch schön zum Zuhören und Meditieren:

 

 

 

Und einmal im Reggae-Modus – warum nicht einmal tanzend?

 

 

Die Meditation.

Im Anschluss bleibe sitzen, behalte die Mudra bei. Lasse die Schwingung, den Klang des Naad in Stille nachwirken, während du deinen natürlichen Atemfluss wahrnimmst. Nimm wahr, wie die Mudra der geschlossenen Hände etwas hält und bewahrt. Nimm wahr, wie dein Körper, dieser Mikrokosmos, alles, was in ihm ist (Organe, Knochen, Sehnen, Bänder, Körperflüssigkeiten, Hormone...), hält, nährt, heilt, schützt und bewahrt. Und sage Dank dafür.

 

Stelle dir nun weiter vor, dass dein Körper nicht nur den Mikrokosmos, sondern den Makrokosmos enthält: In deinem Körper befindet sich das gesamte Universum. Und du hältst, nährst, heilst, schützt und bewahrst das gesamte Universum in dir. Sende Liebe und Dankbarkeit in diese Vorstellung, in dieses Bild.

 

Bleibe so lange in dieser Meditation, wie du magst.

 

Bevor du die Meditation beendest, gehe noch einmal zum Mikrokosmos zurück: Nimm deinen Körper wahr und alles, was er enthält. Sei ganz präsent in deinem Körper. Sage Dank und sende ihm die Energie all der heilenden Gedanken und Gefühle, die du während der Verbindung mit dem Makrokosmos (das Universum in dir) wahrgenommen hast.

 

Atme tief durch und verbinde dich wieder mit der Außenwelt.


 

Wer dieses Thema auf einer tiefen Ebene lösen möchte, kann Bhand jamee-ai zu einer Meditation von 40, 90, 120 oder 1000 aufeinanderfolgenden Tagen machen und sich während dieser Zeit in Achtsamkeit üben was Konsum und den Umgang den Ressourcen der Erde betrifft.

 

Und ja, natürlich gibt es das auch noch ‚andersherum‘. So Purkh ist das Mantra (auch wieder ein Shabad), das Frauen für die Männer in ihrem Leben chanten können. Es ist sozusagen das Yang zum Yin von Bhand jamee-ai. Beide zusammen ergeben ein Ganzes.

 

Mehr dazu demnächst.

 

 

 

Zum Weiterlesen

  • Christine Li und Ulja Krautwald "Der Weg der Kaiserin: Wie Frauen die alten chinesischen Geheimnisse weiblicher Lust und Macht für sich entdecken"
  • Clarissa Pinkola Estés "Die Wolfsfrau"
  • Sonia Emilia Rainbow "Frauenheilkraft. Das vergessene Wissen um die Urkraft der Gebärmutter."
  • Thich Nhat Hanh "Liebesbrief an die Erde"
  • Antonia Langsdorf "Lilith. Die Weisheit der ungezähmten Frau"
  • Yogi Bhajan Teachings "Ich bin eine Frau - Kreativ, heilig & unverwundbar"