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Was ich über Flow gelernt habe.

Ich bin ein neugieriger und suchender Mensch. Ich suche nach den ‚Geheimnissen‘: Wie funktioniert das alles – das Leben, wir Menschen, die Welt? Welche Potentiale gibt es, die wir – die ich noch nicht ausgeschöpft habe?

 

Durch diese Fragen ist mir Flow begegnet, zunächst als FlowYoga, als Floskel: voll im Flow sein, später als Mythos, scheinbar unerreichbar oder wenn doch, dann nur kurz und ohne Dauer. Als ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt habe, merkte ich, wieviel ich anfangs missverstanden hatte oder einfach noch nicht wusste. So wurde Flow für mich greifbar und erstrebenswert, eine Art nächstes Level des Seins voller Leichtigkeit und Intensität.

 

 

WAS ICH DACHTE, WAS FLOW SEI.

Bevor ich es besser wusste, dachte ich, Flow sei etwas Außergewöhnliches und Einzigartiges. Eine Art Rausch, den man mal kurz zu greifen bekommt, wenn man Glück hat. Ich dachte, Flow sei immer etwas Großes und vielleicht auch Überwältigendes. Und vor allem brachte ich Flow mit Bewegung in Verbindung, oder zumindest mit Tätigkeiten, die man liebt und besonders gut kann. So, wie ein Maler im Flow sein kann, wenn ein Bild entsteht, eine Band, die auf einer Bühne vor einem riesigen Publikum spielt oder eine Sportlerin, wenn sie ihre Strecke läuft. Mir schien Flow immer mit enormer Leistung in Verbindung zu stehen und nur wenigen talentierten Menschen zugänglich zu sein, während sie Extremsituationen erleben.

 

Falsch gedacht.

 

 

WAS ICH NUN ÜBER FLOW WEISS.

Sicherlich treffen einige meiner früheren Ideen in Bezug auf Flow zu. Jedoch sind sie kein Garant für Flow und sie sind auch keine ausschließlichen Bedingungen dafür, ihn zu erleben.

Vertiefen und verstehen konnte ich den Zustand, die Wirkung und das Entstehen von Flow durch einen intensiven zweitägigen Online-Workshop mit Dawson Church (Wissenschaftsautor, Forscher und Meditationslehrer der EFT-Klopftechnik) zum Thema „Bliss Brain“ und außerdem durch ein persönliches sechswöchiges Flow-Coaching „From the ordinary to the extraoridary“ mit Richard Husseiny (Coach, Speaker und Performance Coach für Olympiasportler).

 

Meine wichtigsten Erkenntnisse bei diesen Workshops waren:

 

 

 

WAS IST FLOW UND WARUM IST ER SO BEGEHRENSWERT?

Flow ist ein optimaler Zustand oder genauer gesagt ein optimaler Zustand inneren Erlebens. Wir können diesen Zustand selbst hervorrufen, unabhängig von äußeren Bedingungen, und dadurch intensives Glücklichsein erfahren, das sich Ananda, der bedingungslosen Glückseligkeit, annähert.

 

 

„Menschen, die lernen, ihr inneres Erleben zu kontrollieren,

werden in der Lage sein, die Qualität ihres Lebens zu bestimmen,

was dem Glücklichsein am nächsten kommt.“

~ Mihaly Csikszentmihalyi

 

 

Warum macht der Flow so glückselig?

 

Weil wir durch ihn im wahrsten Sinne high sind. Nicht durch Drogen, sondern durch einen inneren Chemiecocktail aus Neurotransmittern, der nicht nur die Laune anhebt, sondern auch (messbar) unsere Leistung erhöht: die des Körpers und die des Gehirns. Wir werden schneller und stärker, kreativer (um 500-700% erhöht) und lösungsorientierter (nichtlineares Denken), wir sind hoch motiviert und können einfacher lernen (bessere Informationsaufnahme und -verarbeitung auf einer tieferen Ebene). Auch Schwieriges oder Anstrengendes fällt uns leicht und wir vergessen, auf die Uhr zu schauen, denn unser Gefühl für Raum und Zeit geht während des Flows verloren. Einerseits sind wir im Flow hochkonzentriert, gleichzeitig aber auch in einem Entspannungszustand. Man ist absolut präsent, verliert aber das Gefühl für das eigene Selbst, erlebt die Verbindung mit allem was ist (All-eins-sein).

 

Und all das geschieht, durch nur fünf Neurotransmitter:

  • Noradrenalin (wirkt wie Koffein)
  • Serotonin (Belohnungsgefühl, Glückshormon, wie Ecstasy, LSD)
  • Dopamin (Belohnungsgefühl, Glückshormon, wie Nikotin, Speed, Kokain)
  • Endorphine (wirken stimmungsaufhellend, körpereigenes Schmerzmittel, stressreduzierend)
  • Anandamid (wirkt wie THC, schmerzregulierend, Ananda = Freude, Glücksekigkeit)

 

All diese Stoffe sind endogen, werden also vom Körper selbst produziert, ohne dass Zutaten (Drogen) von außen benötigt werden. Wir selbst holen diese Neurotransmitter hervor, wenn wir uns auf die Prinzipien des Flows einlassen. Einmal erlebt, sehnt man sich nach Wiederholungen dieses Erlebnisses und ist automatisch motiviert, die Dinge zu tun, die wieder in diesen Zustand führen.

 

Kurzgefasst: Durch im Körper vorhandene Botenstoffe erhöht Flow unsere Leistung auf sämtlichen Ebenen und macht uns auch noch glücklich. Wir erleben darüber hinaus eine Art spirituelle Verbindung, wie viele sie durch Meditation oder Mantren kennen. Flow ist eine Art Vereinigung von Gegensätzen, wodurch unser bewertender und urteilender Geist zur Ruhe kommt.

 

 

 

FLOW BESTEHT AUS UNTERSCHIEDLICHEN PHASEN.

Was ich anfangs zum Thema Flow nicht bedacht hatte, ist, dass zum High auch ein Low gehört. Wir können also nicht einfach verlangen, dass jetzt, zack, mal Flow da sein soll. Wir müssen seinen Prinzipien und damit seinem Zyklus folgen:

  • Ringen. das Hirn wird mit Informationen überladen, Neues wird gelernt, z.B. lernt ein Sportler eine neue Technik oder jemand entwirft ein neues Konzept. Vieles klappt hier am Anfang nicht so gut und ist anstrengend. Diese Phase kann als unangenehm empfunden werden – gehört aber dazu.
  • Loslassen. Unterbrechung der vorherigen Phase. Man lässt das, was noch zu tun, zu lernen ist, ruhen und macht etwas völlig anderes. Geht spazieren, nimmt ein Bad oder schaut in den Himmel. Wichtig: das Denken loslassen!
  • Flow-Zustand. Stresshormone werden durch die oben beschrieben Neurotransmitter ersetzt. Alle Energien, die wir sonst so verstreuen, fließen fokussiert in den Flow und die Tätigkeit, die wir währenddessen ausüben.
  • Erholung. Der Flow hat alles gefordert, alles Potential herausgeholt – nun ist die Erholung (Ruhe, gutes Essen, Sonnen- und Naturbad) unumgänglich und die Voraussetzung dafür, dass wir irgendwann wieder ins Ringen kommen und schließlich flowen können.

 

All diese Phasen gehören zusammen, keine davon kann man umgehen. Sie alle zusammen sind Flow – nicht nur der Flow-Zustand selbst. Rabih hatte das bereits im Interview betont, dass manche der Vorbereitungs-Phasen gelegentlich sogar wichtiger sein können als der Flow selbst. Wer viel Stress hat, muss sich erstmal richtig ausruhen. Wer nichts zum Ringen hat, dem fehlen schließlich Fokus und Energie für den Flow.

 

 

„Wer wirklich mehr Flow haben will, muss lernen
wie man besser ringen kann
und wie man sich besser erholen kann.”

~ Mihaly Csikszentmihalyi

 

 

Man kann in einzelnen Phasen auch feststecken. Die Erfahrung habe ich selbst gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, mehr Ruhe zu brauchen und habe es gescheut, mich an bestimmte Aufgaben zu setzen (egal ob angenehm oder unangenehm). Mit der Sicht auf diesen Phasen-Zyklus verstehe ich das nun, ohne dieses Wissen war mir nicht bewusst, dass ich in einer Phase feststecke. Ich war einfach nur unzufrieden. Nun weiß ich, was zu tun ist, wenn es mal nicht weitergeht. S.o.

 

 

 

ABLENKUNGEN REDUZIEREN.

Eigentlich wissen wir das alle, machen es aber dennoch nicht konsequent.

 

Das Handy klingelt, dann noch der Postbote und der geöffnete Mailaccount zeigt eingehende Post an. Wenn wir schon abgelenkt sind, können wir auch schnell die letzten News checken, eine Bestellung tätigen und ein bisschen im Internet surfen. Und dann liegt da noch der Wäschehaufen, der Boden könnte mal wieder gesaugt werden, vom Staubwischen und Fensterputzen ganz zu schweigen.

 

Unser Leben ist voll von Ablenkungen und es ist schwierig, ihnen zu widerstehen. Daher ist die ein wichtiger Bestandteil des Flows, einen Rückzugsort für unsere Tätigkeit zu haben. Einen Raum oder vielleicht auch nur eine Ecke, wo uns niemand stört. Im Büro sollte man für einen gewissen Zeitraum die Tür zu machen und einen Zettel „Bitte nicht stören“ dranhängen. Alles, was uns aus dem Flow holen könnte, wird ausgeschaltet und wenn das nicht geht: Es gibt zum Glück geräuschunterdrückende Kopfhörer. Oder doch zumindest Kopfhörer, über die man Musik hören und sich von der Außenwelt zurückziehen kann. Der Ort, an dem der Flow geschehen soll, sollte so aufgeräumt sein, dass man sich an nichts stört und sich sicher fühlt. Wohl dem, der den Flow draußen z.B. beim Spazieren oder Joggen sucht, hier fällt dieser Punkt weg. Jedoch sollte man sich bei Aktivitäten im Freien gut überlegen, ob man alleine loszieht oder in Gesellschaft. Wenn man ins Plaudern kommt oder auf andere Rücksicht nehmen muss, ist dies oft ein Hindernis für den Flow.

 

 

 

FLOW BRAUCHT REGELN UND STRUKTUR.

Wenn man an Flow denkt, an etwas Fließendes, dann scheint das im Gegensatz zu Regeln und Struktur – für mich gleichzusetzen mit Begrenzungen – zu stehen. Doch so ist es nicht.

 

Ein Beispiel.

 

Wenn ich mir vornehme: ‚Heute schreibe ich den ganzen Tag an meinem Buch.‘, ist dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Ich fange irgendwann an zu schreiben, nach einiger Zeit merke ich, die Konzentration lässt nach, höre auf, fange später wieder an, dann will ich einen Tee und dann habe ich schon wieder Hunger. Nach dem Essen lässt es sich nicht so gut denken. Also Päuschen. Wie lange? Ach, so lange, bis ich mich wieder fit fühle. Das Päuschen wurde zur ausgedehnten Pause, dann ruft jemand an und bevor ich mich schon wieder an den PC setze, will ich mich erst bewegen. Also Yoga, Spaziergang… Oh, schon wieder Essenszeit?

 

Oder aber das Gegenteil geschieht: Das Schreiben vereinnahmt mich so sehr, dass ich nicht auf meine Bedürfnisse achte, trinken und essen vergessen habe, mein Körper vom langen Sitzen wehtut und ich mich danach körperlich und geistig einfach nur erschöpft fühle.

 

Im ersten Fall bin ich unzufrieden, weil ich nur wenig geschafft habe und ein Gefühl von Flow hat sich nicht einmal angedeutet. Im zweiten Fall scheue ich zukünftig eine weitere Erfahrung dieser Art, da sie mir im Nachhinein nicht gut getan hat und ich mich danach längere Zeit von ihr erholen muss, weil der regenerative Anteil zu kurz gekommen ist.

 

Beide Beispiele sind Extreme. Was Flow aber benötigt, ist die Mitte: zwischen Unter- und Überforderung, zwischen Ringen und Loslassen, zwischen Regeneration und Aktion:

 

Den Weg in diese Mitte ermöglichen uns Struktur und Regeln. Weil sie uns einen Rahmen geben und dadurch Sicherheit. Wenn wir uns sicher fühlen, sind wir motiviert, weil wir uns ausschließlich einer einzigen Sache widmen können, ohne ständig anderes im Kopf, zu haben. Außerdem können wir dann auch loslassen und uns vollkommen hingeben, also handeln.

 

Was uns und dem Flow hilft, sind festgelegte Zeitfenster, innerhalb derer Beginn und Ende festgelegt sind. Auf diese Weise vermeidet man einerseits das zu wenige und andererseits das Überarbeiten. Welchen Zeitrahmen man sich insgesamt gibt, kann individuell ausprobiert werden. Dabei kommt es auch auf die Tätigkeit an, denn nicht alles kann man gleich lange machen. Am besten legt man eine Gesamtzeit fest, die unterteilt wird in kleinere „Häppchen“. Wenn ich 5 Stunden lang an einem Tag schreiben will, unterteile ich die einzelnen Schreibphasen in 60-90 Minuten-Phasen und lasse mich vom Wecker daran erinnern, um dann auch konsequent aufzuhören, eine kleine Pause – oder nach mehreren Etappen auch eine größere – zu machen. So hat es bereits Rabih beschrieben in meinem Interview mit ihm zu Thema „Vom Trauma zum Flow“.

 

Diese festgelegten Zeitfenster haben zwei Vorteile.

Erstens: Sie erhöhen den Fokus enorm, gerade weil wir die Zeit begrenzen. Jeder kennt das mit Arbeiten, für die man ewig lange Zeit hat, man macht sie erst auf den letzten Drücker, wenn die Deadline vor der Türe steht. Vorher ist man weder motiviert noch effizient. Und genau darum geht es beim Flow: Motivation und Leichtigkeit erledigen die Arbeit für uns.

Zweitens: Durch die Unterbrechung kann man sich schon wieder auf das nächste Zeitfenster freuen. Man konnte sich zwischendrin erholen und mit ganz neuer Kraft und Inspiration an die Sache gehen. In dem Wissen, dass es nicht bis zur Erschöpfungsgrenze gehen muss.

 

Eine dieser möglichen Zeitmanagement-Techniken ist die pomodoro technique.

 

Es geht nicht nur darum, wie ich meine Flow-Zeitfenster strukturiere, sondern um all das, was diesen Zustand begünstigt. So kann man sich einen Tages- und Wochenplan zusammenstellen, in dem alles drin ist, was Flow triggert und trainiert:

 

  • Für den Tagesplan schreibt man sich am Abend vorher drei Aufagben auf (vielleicht in ein hübsches Buch), die man auf jeden Fall erledigen will und wird. Wer ganz sicher sein will, schreibt auch Ort und Uhrzeit hinzu. Je genauer, desto zuverlässiger sind wir. Alles, was nur im Kopf behalten wird, führt deutlich seltener zur Umsetzung.
  • Jeden Tag 90 Minuten Flow-Zeit einplanen: frei von Ablenkungen, Aufgaben, Handy, Erreichbarkeit (keine Gespräche, kein Kontakt). Diese Zeit hat höchste Priorität, sie ist heilig und wird nicht für andere Aufgaben eingetauscht. Diese Zeit kann man für wichtige Aufgaben nutzen oder aber für kreatives Ausprobieren.
  • Alle Koshas (Körperhüllen) benötigen Erholung. Körper, Geist und Seele – oder, etwas ausführlicher: der physische Körper, der energetische, der emotionale und der mentale Körper. Erst wenn diese Bereiche regenerieren und frei von Blockaden sind, finden wir den am tiefsten liegenden Bereich: Ananda / Glückseligkeit / Bliss. Also: FLOW!
  • In diesem Wochenplan sind also auch Erholungsphasen eingetragen. Lerne, dich effizient zu regenerieren. Meditation, Pranayama, Yoga, QiGong, Yoga Nidra (Tiefenentspannung) sind tolle Techniken dafür. Man kann nicht nicht Zeit haben für die Pause!
  • Formuliere klar Ziele und trage sie in den Wochenplan ein. Von Steuer machen über sportliche Aktivitäten und soziale Interaktionen bis hin zu Ausflugszielen kann das alles sein. Alle Sinne, Kreativität, Herausforderungen, Alleinsein, Natur und Neues dabei unterzubringen, bietet die stärksten Trigger für Flow.

 

 

 

FLOW IST SPIEL!

Nun kommt der scheinbare Gegensatz zu Struktur und Regeln: das Spiel. Obwohl… haben nicht alle Spiele Regeln? Die Struktur bezieht sich auf den Rahmen, doch diesen Rahmen können wir frei füllen. Neugierde und Experimentierfreudigkeit sind dabei Schlüsselworte, genauso wie Risikobereitschaft und der Mut zum Scheitern. Wir kämpfen und ringen mit uns selbst, mit der Tätigkeit, mit dem Flow, all das gehört dazu, ja belebt sogar und macht das Hirn wach.

Wer Ansprüche an sofortiges Gelingen und Perfektionismus hat, verhindert dadurch jede Aussicht auf Flow.

 

 

Der Begründer der Flow-Psychologie, Mihaly Csikszentmihalyi, erklärt diese Einstellung so:

 

„Die Buddhisten haben einen Spruch, der mir sehr gut gefällt

und der lautet ungefähr so:‚Handle immer so, als würde die Erlösung

des Universums von deiner Handlung abhängen.

Und lache dabei immer über dich selbst,

dass du glaubst, du könntest überhaupt etwas

mit deinem Tun erreichen.‘“

 

Letztendlich geht es nicht darum, ob man bei diesem Kämpfen und Ringen gewinnt oder beim Experimentieren etwas Neues herausfindet. Es geht um die Energie, die dabei aufgebaut wird. Sie ist notwendig, um aus der Ruhephase herauszukommen und um überhaupt in den Flow zu kommen.

 

Ob man Spiel, Leichtigkeit, Kämpfen und Ringen als sich bedingende Einheit oder als gegenseitige Störfaktoren wahrnimmt, hat mit unserer Einstellung, der mentalen Ausrichtung zu tun. Wer an Perfektion festhält, wird sich sein Leben lang selbst im Weg stehen. Risikofreude und die Fähigkeit, aus dem Denken ins Handeln zu bekommen, öffnen Tür und Tor zum Flow-Erlebnis.

 

 

 

FLOW IST INNERER ANTRIEB.

Ein wichtiger Aspekt des Flows ist, dass wir eine Tätigkeit nicht deswegen ausüben, um uns dafür später Lob zu abzuholen. Dieses äußere Belohnungssystem verhindert Flow. Wir schreiben, laufen, basteln, malen, gärtnern, putzen, lernen … einfach um der Sache willen. Nicht, weil wir uns danach einen Pokal, ein Schulterklopfen oder nette Worte der Bestätigung abholen.

Belohnung brauchen wir ja gar nicht von außen, wenn im Inneren bereits die Belohnungs- und Glückshormone tanzen.

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass man dieses oder jenes nicht für eine andere Person, wegen des Erfolgs oder der Anerkennung macht. Hier geht es um eine innere, eine mentale Haltung.

 

„Wenn wir aus freien Stücken handeln, um der Handlung selbst willen

und nicht aus Hintergedanken,

lernen wir, mehr zu werden als das, was wir waren.“

~ Mihaly Csikszentmihalyi

 

 

 

FLOW KANN MAN AUCH BEI UNGELIEBTEN TÄTIGKEITEN ERLEBEN.

Ich mag Papierkram nicht. Er hält mich nur davon ab, die wirklich wichtigen oder freudvollen Dinge zu tun. Es führt aber kein Weg daran vorbei. Wenn man die Kniffe und Tricks des Flows benutzt, kommt man auch im Flow durch die ungeliebten Tätigkeiten. Man ringt kurz mit sich, bereitet dabei schon mal alles vor, macht ein Päuschen, trinkt eine Tasse Tee oder geht um den Block, setzt sich dann eine Zeit von z.B. maximal 90 Minuten, während der man sich nun fokussiert und ohne Ablenkungen um die ungeliebte Aufgabe kümmert und hört nach der festgesetzten Zeit auch konsequent auf. Denn jetzt ist Ausruhen angesagt.

 

Im nächsten Punkt warten schon ein paar Tricks, um den Flow herauszukitzeln.

 

 

 

NO FLOW - WAS KANN MAN TUN?

Soweit sind alle Bedingungen erfüllt? Genügend ausgeruht, es gibt keine Ablenkungen, der Zeitrahmen ist festgelegt, aber der Lauf kommt nicht? Sowas passiert. Wir sind Menschen mit einer Tagesform und vielen inneren Widerständen. Ich habe drei Favoriten, wie man dem Flow auf die Sprünge helfen kann:

  • Musik! Ein wunderbarer Helfer für so viele Lebenslagen. Um Flow zu erleichtern und um sich in eine bestimmte Stimmung zu bringen, legt man sich einfach die Lieblingsplatte auf. Oder auch funktionelle Musik, die gezielt die Hirnwellentätigkeit stimuliert. Solfeggio-Sounds und auch klassische Musik tun das. Meine neueste Entdeckung ist Brain.fm. Hier gibt es auf Flow (für alle Phasen) ausgerichtete funktionelle Musik. Unglaublich hilfreich für ungeliebte Tätigkeiten im Flow.
  • „Bliss Brain“ von Dawson Church sind Meditationen, die sämtliche Flow-Neurotransmitter stimulieren. Regelmäßig praktiziert, fällt es immer leichter, auf diese Zustände in kürzester Zeit willentlich zuzugreifen.

Mit Mikronährstoffen – also körpereigenen Zutaten – können wir auch nachhelfen. Wenn diese fehlen, ist es deutlich schwieriger, die benötigten Neurotransmitter aus sich selbst heraus zu erzeugen.

  • Serotonin wird gebildet aus Magnesium, B-Vitaminen, Zink, Omega 3, Tryptophan und Vitamin D3+K2.
  • Dopamin wird gebildet aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin.
  • Konzentrationshelfer sind Arginin und Magnesium.

 

Bei Mikronährstoffen ist es wesentlich, die richtigen Dosierungen zu berücksichten. Viel hilft nicht immer viel, aber zu wenig eben auch nicht.

Flow ist grOß, Flow ist klein, FLOW IST ALLTAG.

Es gibt nicht nur denen einen mitreißenden Flow. Es gibt unendlich viele Abstufungen und Intensitäten. Es gibt Flow-Zustände, die wie ein Rausch sind und in unserem Leben etwas großes Bewegen. Das nennt man:

 

Makro-Flow. Dabei fühlst du dich eins mit allem – mit allen Lebewesen, mit dem Universum. Dieses universelle Gefühl von Verbundenheit entsteht durch ein wichtiges, intensives Erlebnis wie zum Beispiel bei einem Konzertbesuch, beim Erschaffen eines Kunstwerks, während einer sexuellen Begegnung, bei einer größeren sportlichen Herausforderung, während einer großen Erkenntnis, vielleicht beim Meditieren.

 

Es gibt jedoch auch die kleinere Version des Flows und diese habe ich sehr zu schätzen gelernt, denn sie steht uns öfter zur Verfügung und macht das Leben in all seinen Facetten lebenswert:

 

Mikro-Flow. Der kleine Flow dauert manchmal nur sekundenlang an, ist vom Gefühl her jedoch prägend intensiv. Kleine Momente des Glücks, wie sie täglich stattfinden können, ausgelöst durch das Lächeln eines fremden Menschen, eines Babys, durch den Schmetterling, der auf dem Arm landet, durch die Sonnenstrahlen im Gesicht, durch einen einzigen bewussten Atemzug.

 

Alltäglicher Flow. Rückzug und Ablenkungsfreiheit sind schön und gut. Für viele, insbesondere für Eltern, jedoch seltener zu haben. Doch auch sie können Flow erleben. Wir alle können Flow im Alltag erleben bei unseren normalsten Tätigkeiten, indem wir unseren Fokus – also unsere Achtsamkeit – enorm erhöhen und ganz präsent bei dem sind, was wir gerade tun. Und wenn es das Höhlenbauen, das Bilderbuchanschauen mit dem Kind ist. Indem wir alles ganz bewusst wahrnehmen, was wir gerade tun, auch wenn es schon so automatisiert ist, dass wir parallel anderes tun könnten, kommen wir in den Alltagsflow. Durch Achtsamkeit wird alles wieder zum Wunder.

 

 

Das Zauberwort ist Hingabe.

Wenn ich mich dem hingebe, was der Moment gerade von mir verlangt, wenn ich ganz und gar zu 100% dabei bin, dann ist das auch Flow. Manchmal als der große Rausch, manchmal einfach als ein intensives Gefühl von Zufriedenheit.

 

Und dieses kleine Alltagsglück ist die Basis für ein erfüllendes Leben.

 

 

 

 

 

Quellen:

Mihaly Csikszentmihalyi im Gespräch: „Flow: Das Geheimnis des Glücks.

Mihaly Csikszentmihalyi im Gespräch: „Flow – der Weg zum Glück. Der Entdecker des Flow-Prinzips erklärt seine Lebensphilosophie.

The Conscious Life Collective (youtube-Kanal)

Dawson Church: Bliss Brain: Angewandte neurowissenschaftliche Erkenntnisse für mehr Resilienz, Kreativität und Lebensfreude